Dokumente
Bischof Eberhardt Renz, Stuttgart
Pressekonferenz, Mittwoch, 11 Uhr

"alleyn zwey ding: glauben und lieben" - mit diesem Zitat des württembergischen Reformators Johannes Brenz grüße ich alle, die zum Kirchentag nach Stuttgart gekommen sind. "alleyn zwey ding: glauben und lieben" - so bezeichnete Johannes Brenz das, was Christen auszeichne. "alleyn zwey ding: glauben und lieben" - das wollen wir Württemberger in den nächsten Tagen mit allen Gästen aus anderen Landeskirchen, aus anderen Regionen Deutschlands und Europas und aus der weltweiten Ökumene feiern und leben. Doch dabei ist nicht der Blick zurück gefragt, auch weil Johannes Brenz uns mahnt, unser Christsein in unserer Zeit, in unserer Gegenwart zu leben. An Gott zu glauben, die Menschen und Gott zu lieben - das ist seine Übertragung der großen Verheißung, daß "wir das Salz der Erde" sein können und sind. Wir Württemberger feiern in diesen Tagen nicht nur das große Protestantentreffen, auf das wir 30 Jahre gewartet haben, sondern auch den 500.Geburtstag unseres Reformators. Er wurde am 24. Juni 1499 in Weil der Stadt geboren. Als Student in Heidelberg lernte er 1518 Martin Luther kennen. Er wurde ein begeisterter Anhänger der Reformation und einer der bedeutendsten Schüler Luthers. Seit 1522 wirkte er in Schwäbisch Hall als evangelischer Prediger. Schwäbisch Hall hat seinen Namen vom Salz, das jahrhundertelang die wirtschaftliche Grundlage der Reichsstadt gewesen ist. Die Kirchentagslosung, das Bildwort vom Salz der Erde, vermag auch die Wirkung der Kirchenreform zu beschreiben, die Johannes Brenz von Schwäbisch Hall aus für Württemberg in Gang gebracht hat. Ein neues Verständnis des christlichen Glaubens und neue Formen des Gottesdienstes hat sie hervorgebracht und viele Bereiche des Lebens in unserem Land hat sie verändert. Doch auch 500 Jahre später ist das Salz nicht wirkungslos, unser Glaube nicht schwach und unsere Liebe nicht lasch geworden - wir müssen uns nur immer wieder und immer wieder miteinander daran erinnern, daß wir Salz der Erde sind, daß "alleyn zwey ding: glauben und lieben" durch uns und in uns wirken. Der Kirchentag ist so ein Zeitpunkt, uns daran zu erinnern. Der Kirchentag in Stuttgart ist dabei für uns ein besonderer. Wie gesagt: 30 Jahre haben wir gewartet, daß der Kirchentag wieder in unserer Landeskirche zu Gast ist, zehn Jahre sind vergangen, seid mein Amtsvorgänger, Bischof D. Theo Sorg die Einladung an den Kirchentag ausgesprochen hat, seit drei Jahren bereiten wir mit einem eigenen Regionalbüro die württembergische Seite des Treffens vor. Dabei waren und sind wir auf die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle in Fulda angewiesen - für gute und konstruktive Diskussionen, für gegenseitiges Zuarbeiten und gemeinsamen Ideenaustausch bedanken wir uns. Zudem freue ich mich, daß die Gastfreundschaft der Schwaben nicht nur ein Gerücht ist, sondern sich im Vorfeld des Kirchentags als tatsächlich vorhanden erwiesen hat. Und ich freue mich über die großen Erwartungen, die viele Württembergerinnen und Württemberger mit dem Kirchentag verbinden und die Begeisterung, mit möglichst vielen Gästen, mit möglichst vielen Mitchristen feiern zu können. Und wenn dazwischen Töne der Kritik und ablehnende Worte zu hören waren, so wurden die - so gut kenne ich meine Württemberger - immer in Sorge um die gemeinsame Sache gesprochen. Die Diskussion um das Feierabendmahl war letztendlich ein Gewinn, um wirklich miteinander feiern zu können. Die Menschen in Württemberg haben Hoffnungen und Wünsche, wenn in wenigen Stunden mit 64 Gottesdiensten der 28. Deutsche Evangelische Kirchentag im 50. Jahr der Kirchentagsgeschichte eröffnet wird. Menschen aus Württemberg - immerhin kommen aus Württemberg etwa ein Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer - wollen dabei auch mitwirken, daß diese Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen. Wir werden am Sonntag darüber nachdenken müssen, wo wir gemeinsam einen Schritt weiter auf den verschiedenen Wegen gegangen sind ... und dann werden die nächsten Monate zeigen, ob auch dieser Kirchentag Zeitansage hat sein können: Zeitansage in der Ökumene - wenige Tage nachdem bekannt wurde, daß die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre doch noch in diesem Jahr unterzeichnet werden wird. Dies nährt die Hoffnung auf gegenseitige Gastfreundschaft beim Abendmahl und auf gegenseitige Anerkennung der Kirchen, egal ob protestantisch oder katholisch. Dazu mag auch beitragen, daß auf diesem Kirchentag in Württemberg so viele Gäste aus der Ökumene teilnehmen wie niemals zuvor. Zudem auch Zeitansage in der Politik - wenige Tage nachdem ein politischer Weg aus der Kriegssituation in Jugoslawien gefunden worden ist, auch wenn noch viele Schwierigkeiten überwunden werden müssen. Die in dieser Woche immer wieder bei uns zu hörenden Meldungen über Schießereien, über Anschläge auf Journalisten zeigen, wieviel Haß und Gewalt noch in diesem Land ist. Es ist noch kein Frieden in dieser Region - aber wir hoffen, daß die Menschen dort und damit in Europa insgesamt auf einem guten Weg sind. Wir werden in den Tagen in Stuttgart auch darüber sprechen müssen, was dieser erste Krieg in Europa nach dem zweiten Weltkrieg für uns, für die Gemeinschaft in Europa und für unsere gemeinsame Hoffnung, im Frieden leben zu können, bedeutet. Zum dritten kann der Kirchentag auch Zeitansage im weltweiten Miteinander sein - während gleichzeitig der G 8 Gipfel in Köln tagt. Die Frage, ob die Länder in den ärmeren Regionen dieser Welt, ob den über die Maßen verschuldeten Staaten und Gesellschaften ihre Schulden erlassen werden, können Christen nicht nur den Politikerinnen und Politikern überlassen. Unsere Meinung ist gefragt - gerade wenn die Mächtigen sich zeitgleich in Köln treffen.
Das waren nur drei Beispiele. An vielen anderen Stellen kann dieser Kirchentag auch Zeitansage sein. Es liegt nicht nur am Programm, sondern zuerst und vor allem an den 100.000 Menschen, die sich ab heute in Stuttgart treffen, ob die Welt hört, was Christen in dieser Zeit zu sagen haben. Christen sind als Salz der Erde wirksam durch "alleyn zwey ding: glauben und lieben", ich wünsche mir, daß wir diese Erfahrung auf dem Kirchentag machen und mit nach Hause nehmen können. Ich hoffe, daß in diesem Glauben und mit dieser Liebe der Kirchentag in unserer Zeit diese Zeitansage leisten kann.
Newsletter
Täglich zur Mittagszeit: News per E-Mail. Hier gratis abonnieren!

Programm
Suche

Texte
Bibelarbeiten,
Predigten,
Vorträge,
Abendgebete.

Pressezugang


Forum
Internet-Cafe. Bei uns LIVE am Donnerstag
9 - 18 Uhr.

Kontakt
Gästebuch
E-Mail an die Redaktion
Impressum
Impressum

English
international version
Die Internet-Redaktion und der Dokumentenservice des Kirchentages arbeitet mit SCENIC-Rechnern der Siemens Computer Systems (Comics Gerich Systemhaus, Stuttgart); Laserdrucker Optra von Lexmark. Comics Gerich Systemhaus Stuttgart
Ich wünsche uns allen, daß unser Glaube und unsere Liebe Wege des Friedens öffnen helfen, die wir in Europa dringend brauchen und Wege der Gerechtigkeit, nach denen sich die ganze Welt sehnt. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen ereignisreichen und gesegneten Kirchentag in Stuttgart. nach oben
zurück zur Titelseite

Digitalkameras von Kodaklogo

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 15.6.99 12:00 Uhr. © Deutscher Evangelischer Kirchentag, Internet-Redaktion;
Homepage www.kirchentag.de, E-Mail redaktion@kirchentag.de; Telefon 0711 - 25 63 33 22.